Dieser Text hat ein Scheißproblem: Ich mag ihn nicht schreiben. Aber ich klebe in diesem Blog fest und schreibe seit Tagen nichts, weil ich das Thema gerne erst abhaken will.

Wie ist die perfekte Mutter?

An dieser Frage arbeiten sich momentan alle Medien ab. Alle. Meine fb-Timeline quillt über, so oft und unterschiedlich wird sie derzeit gestellt und beantwortet.

Und ich frag mich nur:

Glaubt jemand wirklich, sie wäre abschließend zu beantworten? Für jede Mutter? Das wäre sie doch nie. Menschen gibt es so viele wie Lebensentwürfe, was soll die Suche nach Wahrheiten. Damit ist die Diskussion auf eine Art abgehakt.

Nun könnte man es sich leicht machen und sagen: Einfache Wahrheiten verkaufen sich eben gut, daher überhaupt die Diskussion. Nimmt man aber an, dass all das trotzdem nicht deswegen weiter und weiter geschrieben wird, weil Zeitungen, Zeitschriften und Blogs gefüllt werden wollen, sondern weil es einer Sache dient, dann bitte:

Welcher? Soll das die Emanzipation weiterbringen? Die Gleichberechtigung? Die Forschung auf dem Gebiet der Kinderpsychologie? Soll die Diskussion die Betreuungssituation zu verbessern anstoßen? Die Toleranz voranbringen? Man weiß es nicht, denn sie mäandert ziellos von Standpunkt zu Standpunkt.

Mein Lieblingszitat entstammt der BRIGITTE MOM: Darin sagt eine Buchautorin, die sich aber als Hausfrau bezeichnet, dass sie für diese total provokante Selbstcharakteristik angefeindet werde.

Interviewerin:

„Als voll berufstätige Mutter fühlte ich mich aber auch nicht höher angesehen.“

Antwort Buchautorin:

„Die berufstätige Mutter entspricht auf jeden Fall viel eher den heutigen Normen und genießt ein deutlich höheres Ansehen als diejenige, die etwas länger zu Hause bleibt.“

Ah ja. Zwei Menschen, die den Hype durch ihre Artikel / Bücher erst erfinden, sind sich nicht einig, was denn nun überhaupt das Haupt (Image-)Problem der Mamas sein soll. Vielleicht könnte man das kurz klären und dann noch nachgucken, ob es in der Wirklichkeit außerhalb der Köpfe dann immer noch ein Problem gibt? Meine Vermutung ist ja: Ob in Buxtehude irgendeine Mutter arbeitet oder nicht, interessiert eher niemanden, gesamtgesellschaftlich. Und wenn man dafür tatsächlich auf dem Spielplatz / im Büro angefeindet würde, wäre das dann gleichzusetzen mit einer Diskriminierung, wie sie Schwule, Transsexuelle, Ausländer oder Behinderte erfahren? Wäre es ein strukturelles Problem mehr als ein individuelles? Werden Hausfrauen von grölenden Rechten durch die Straßen getrieben und verprügelt? Eher nicht. Es geht allein ums Image. Um den Anspruch, bitte gemocht zu werden. 

Ich BIN Mutter und habe von einer ideologischen Ausgrenzung noch nie aus erster Hand gehört, und daher erlaube ich mir ebenso meine Einzelbeobachtung hier kundzutun wie all die anderen Autoren: Ich finde, die Diskussion ist wenn nicht erfunden, dann doch mindestens zu hoch gehängt.

Übrig bleiben für mich: Menschen, die kein Gesprächsziel haben, nehmen ihr Image konträr wahr, halten das aber dennoch für Anlass genug, um darüber irre viel zu publizieren – in negativem Tenor, klar. Mir ist das zu dünn. Wer weiß schon, ob ich Vollzeit, Teilzeit, Sabbatical oder Elternzeit haben werde in vier, fünf, sechs Jahren? Ich bin sicher: Mein Image wird mein geringstes Problem sein.

Ich klink mich deswegen mal aus, „Abschalten!“, hätte Peter Löwenzahn gesagt, Gott hab ihn selig.

Und dann, nur um diese Industrie der Mütterbilder noch ein bisschen zu füttern, den Markt weiter zu fluten mit unnötigen Beiträgen zur Diskussion, noch meine Top Two, wie eine SUPERPERFEKTESPITZENSCHEIßCOOLE Mutter zu sein hat.

So.

Oder anders.

Und ab jetzt schreib ich wieder häufiger.

 EIN NICHT-LESEN-TIPP

Eine der großen Nutznießerinnen der Debatte ist Alina Bronsky. Hier gibts ein Interview mit ihr bei SPON, und hier ihr Buch. Pffff.