Liebe ist ein Puzzle, denke ich. Ein einzelnes Teil lässt sich kaum erklären. Aber das Ganze macht auf einmal so viel Sinn.

Aber: Mir kam eben gerade so in den Sinn, dass es doch Dinge gibt, die ich an Kindern besonders mag. Nicht nur an meinen. Favoriten-Puzzleteile.

Trommelwirbel:

  1. Kindern ist ziemlich vieles scheißegal.

Die legen sich bei IKEA auf den Boden, wenn ihnen danach ist. Kreischen, wenn sie ein Echo erwarten. Winken Wildfremden. Verkörpern tagelang wilde Tiere. Und stecken sich in den Mund, was sie interessant finden. Auch wenn es der Dame in der S-Bahn neben ihnen gehört! Jedem Erwachsenen würde mindestens eine Psychose für den Kram attestiert! Kinder aber haben, anders betrachtet, alle das Zeug zu brillanten Schauspielern. Tänzern. Performance-Künstlern. Oder Komikern. Forschern. Außerdem scheinen sie erstmal großes Selbstbewusstsein mitzubringen, denn egal, was sie da gerade in der Öffentlichkeit machen: Die Meinung der Zuschauer ist ihnen wunpe.  

2. Kinder denken nicht in Schubladen

Klar, können sie ja noch gar nicht, weil sie unsere Klischees noch nicht kennen. Aber jetzt echt: Dem Puffi ist es wurscht, ob jemand alt, obdachlos, rattenscharf oder anderer Hautfarbe ist: Er zeigt unverhohlen Interesse. Nur eben gar nicht an der Andersartigkeit, also zum Beispiel nicht an der Hautfarbe und Schönheit eines Menschen. Sondern an dem, was da gegessen, ins Handy getippt oder gelacht wird. Das ist unbefangen und saucool. Hoffe, ich bin auch noch ein bisschen so.

3. Sie liefern trockene Analysen

Neulich bin ich mal kurz ausgeflippt über irgend einen Mist zu Hause. Hab ich schon vergessen, wieso (aber tut man das nicht immer?) So, wenig später das Puffi: „Mama und Papa laut.“ Kurze Pause. „Papa leiser.“ Öh, ja. Ich flippe zu laut aus. Hätte mir sonst auch keiner gesagt.

4. Kinder sind so nicht-materialistisch!

Geständnis: Wenn mein Mann mich heute Abend fragen würde, womit er mir ne Freude machen kann, würde ich wahrscheinlich meinen Kleiderschrank nach Lücken durchgehen gedanklich. Oder meinen Schuhschrank. Das Puffi freut sich momentan über so geile Sachen! Und begleitet das mit einem lauten ohohoooo-Laut, über den schon ein ganzer Supermarkt gelacht hat. Zum Beispiel: Einen dicken Käfer. Einen überfüllten Einkaufswagen. Eine Schnecke. Meine lackierten Fußnägel. Unbezahlbar für mich: Ohooooo!

5. Sie lieben so groß

Bevor ich meinen Lieblingsmann kannte, hatte ich einen klaren Hang zum Freigeist. Klar, ich wollte ja auch keine Familie. Das hieß: Zuneigung immer nur dosiert, mit Handbremse und auf keinen Fall unbefangen. Das hat mich an Kindern fast schon verunsichert: Dass man die wirklich soooo, so, so doll lieben darf. Und dass das bei meinem Lieblingsmann auch so klappt. Zumherzplatzenviel!

6. Sie entdecken die Welt

Leben heißt Altern heißt Routine. Wer schon 300-mal geflogen ist, flippt halt nicht mehr über einen Snack in Aluschale aus vor Freude. Kinder aber schon! Und das ständig. Über Poller, auf die man klettern kann. Darüber, einen Scheibenwischer zu betätigen. Deswegen bin ich ein bisschen anfällig für die Krimskrams-Ecken in Spielwarenläden: Weil da oft was lauert, was meine Kleinen noch nicht kennen! Also, zum Beispiel was zum Aufziehen. Oder für die Badewanne. Oder gerade: Ein Drachen! Der fliegt! All diese Freude durch Kinder noch mal zu erleben, das will ich nicht verpasst haben im Leben. Und das führt auch dazu, dass ich auch acht Monate nach der Entbindung immer noch manchmal spontan in Tränen ausbreche: Weil ich selbst das Wunder Leben manchmal kaum fassen kann. Weil plötzlich alles so schöne Farben, spannende Gerüche und vollkommene Momente hat.

Danke, Gott oder Universum oder Evolution: Danke, dass ich das alles erleben darf. Dass ich über diese Zeilen heulen darf, weil meine Kinder mir eigentlich erst die Welt eröffnet haben. Es ist so WOW.